Ich möchte meine tiefe Besorgnis über den aktuellen Vorschlag zur Gemeindefusion in Appenzell Ausserrhoden zum Ausdruck bringen. Als Bürger sehe ich die möglichen Auswirkungen einer solchen Fusion mit grosser Sorge. Der Vorschlag, wonach der Kanton die Federführung der Neuordnung der Gemeinden und der Gesetzesausarbeitung übernehmen soll, birgt meiner Meinung nach ernsthafte Risiken für die Geschichte und Vielfalt unserer Region.
Appenzell Ausserrhoden zeichnet sich doch durch eine reiche historische Vergangenheit und eine bemerkenswerte kulturelle Vielfalt wie auch mit einer besonderen Identität aus, die durch die verschiedenen Gemeinden geprägt sind. Die einzelnen Gemeinden haben im Laufe der Jahrhunderte ihre eigene Identität und Tradition entwickelt, welche über Generationen hinweg weitergegeben wurden, die meiner Meinung nach zu bewahren und zu schützen gilt. Eine Fusion würde diese lokale Identität verwischen und das Gefühl der Verbundenheit zu unserem Dorf und unserer Heimat sicherlich mindern.
Eine zentralisierte Entscheidungsgewalt von wenigen «Grossgemeinden» würde dazu führen, dass wichtige Entscheidungen von Personen getroffen werden, die möglicherweise nicht die spezifischen Bedürfnisse und Besonderheiten jeder Gemeinde verstehen. Die angedachte Fusion würde darüber hinaus die bürgernahe Verwaltung und die Demokratie in unserer Region wesentlich beeinträchtigen. In kleineren Gemeinden haben die Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, sich direkt in Entscheidungs- prozesse einzubringen und lokale Anliegen zu vertreten. Eine größere Gemeinde würde diese direkte Partizipation reduzieren und eine distanzierte Verwaltung fördern.
Die wesentlichen Begründungen für eine Fusion zielen auf ökonomische Effizienz und besseres Ressourcenmanagement ab. Sicherlich sind das wichtige Aspekte, die es zu berücksichtigen gilt. Jedoch sollte nicht vergessen werden, dass die Gemeinden bislang gut funktioniert haben und auch ohne Fusion erfolgreich agieren konnten.
Demgegenüber eröffnet der «Eventualvorschlag» den Gemeinden auf freiwilliger Basis die Möglichkeit, zu fusionieren. Dieser Ansatz ist vielversprechend, da er den Gemeinden die Autonomie und Freiheit lässt, ihre eigene Zukunft zu gestalten. Dies würde sicherstellen, dass die individuellen Bedürfnisse und spezifischen Charakteristika jeder Gemeinde berücksichtigt werden.
Es ist wichtig zu bedenken, dass Fusionen nicht immer die gewünschten Vorteile bringen. Wir sollten darauf achten, dass unsere Gemeinden nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ wachsen. Ein von
«oben erzwungener Zusammenschluss» von Gemeinden könnte zu einer Verwässerung der einzig- artigen Identität und Traditionen führen, die Appenzell Ausserrhoden bisher auszeichnet.
Wir sollten die historische Bedeutung unserer Region respektieren und die Vielfalt unserer Gemeinden bewahren. Die Kultur und Geschichte sind wertvolle Vermächtnisse, die es zu erhalten gilt. Eine freiwillige Fusion basierend auf einem Konsens zwischen den Gemeinden und würde sicher- stellen, dass die Entscheidungen im Einklang mit den individuellen Bedürfnissen und Werten getroffen werden.
Ich rufe alle Stimmberechtigen dazu auf, die Entscheidung über eine Fusion nicht vorschnell zu treffen. Es ist wichtig, dass wir unsere Traditionen und unsere individuellen Gemeinden bewahren und sie nicht einer oberflächlichen Vereinheitlichung opfern. Lasst uns gemeinsam von «unten» her gewachsene nachhaltige Lösungen suchen, um die Stärken und den Gemeinschaftssinn in Appenzell Ausserrhoden zu erhalten.
Ich empfehle allen Wählerinnen und Wähler die Vorlage des Kantons (Gegenvorschlag) abzulehnen (Nein) und die «Eventualvorlage zur zurückgezogenen Volksinitiative „Starke Ausserrhoder Gemeinde“» anzunehmen (Ja).