Wer für die alltägliche Politik die Mehrheit der Bevölkerung mit im Boot haben will, wählt nicht einen Fusionszwang, sondern Mitbestimmung. Der Gegenvorschlag der Regierung für 3 – 5 Gemeinden ist ein extremer und radikaler Schritt, der bei möglichen wenigen Vorteilen, garantierte und schwere Nachteile mit sich bringt und erheblichen Kollateralschaden verursacht. Es entspricht der freiheitlichen und liberalen Tradition unseres Kantons, dass im Fall von kommunalen Zusammenschlüssen die direkt betroffenen Gemeinden abschliessend und für sich bestimmen können, ob sie zu einer Fusion ja oder nein sagen.

Grossfusionen bringen grössere Strukturen mit sich, mehr Distanz und damit grössere Anonymität. Es gibt nicht weniger zu tun, aber es gibt weniger Milizbereitschaft. Dies wiederum führt letztlich zu höheren Verwaltungskosten, aber leider nicht zu besseren Resultaten. Wenn personelle, strukturelle oder finanzielle Probleme auftreten, dann sollen diese dort gelöst werden, wo sie bestehen. Andere, starke und funktionsfähige Gemeinden in eine Fusion zu zwingen, die sie gar nicht brauchen, kann nicht das Ziel sein.

Nun kann man argumentieren, dass sich in der Vergangenheit kaum eine Gemeinde je Gedanken über eine mögliche Fusion machte. Der Grund ist relativ einfach. Es fehlt nach wie vor ein Fusionsgesetz, das der Regierungsrat dem Kantonsrat schon längst hätte beantragen können. Sobald die kantonalen Rahmenbedingungen und die finanziellen Anreize bekannt sind können die die Gemeinden Fusionsbestrebungen in Angriff nehmen. Diejenigen Gemeinden mit Handlungsbedarf, werden dies auch tun.

Es gibt zahlreiche Beispiele aus anderen Kantonen, wo dieses Vorgehen zu erfolgreichen Fusionen führte. So haben bis heute gegen tausend Gemeinden zu grösseren Einheiten fusioniert. Auch die Vereinigung im Neckertal erfolgte nach diesem Vorgehen.