Ich habe mich in den letzten zwei Monaten über das enorme «neutrale» Engagement des Regierungsrates zugunsten des Gegenvorschlages zu den Gemeindefusionen gewundert. Noch selten oder nie hat sich eine Regierung für ein Geschäft und eine Meinung so ins Zeug gelegt wie in dieser Zeit. Was mich auch erstaunte, war die Berichterstattung in der Appenzeller Zeitung. Wer dies genau nachverfolgt wird feststellen, dass die Journalisten die Argumente der Regierung nie wirklich in Frage stellten.
Am Samstag, 18. November hat dann der Redaktionsleiter der Appenzeller Zeitung die Regierungsargumentation uneingeschränkt runtergebetet. Wenige Tage später doppelte der Chefredaktor des St. Galler Tagblattes nach und unterstellte unserem Kanton, er verkomme ohne Ja zur Grossfusion zum profil- und wesenslosen Ding zwischen SG und AI. Dies war für mich dann der Höhepunkt einer kritiklosen, einseitigen Medienkampagne zu Gunsten des Regierungsrates. ich habe ich mich gefragt, in welchem Film die Bevölkerung von AR Statist spielt. Nach meiner Auffassung hätte beim Kommentar der beiden Redaktoren eine Gegenüberstellung der beiden Vorlagen die journalistischen Kriterien erfüllt. Übrigens wurde das bei früheren Vorlagen schon mehrfach so gehandhabt.
Wir sind in den letzten Wochen Zeuge geworden, was journalistische Unabhängigkeit heute noch bedeutet. In diesem Fall habe ich von der sogenannten «vierten Gewalt» nichts gespürt. Für mich wurden die Grenzen in einem nicht tolerierbaren Mass überschritten.