Wir stehen zweifellos vor einem wichtigen Urnengang in unserem Kanton. Zur Diskussion stehen der Gegenvorschlag des Regierungsrates sowie die Eventualvorlage zu allfälligen Gemeindefusionen. Es ist gut und richtig, dass das Thema in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert wird.
Was mich aber massiv stört, ist die Tatsache, dass die Gemeinden zusammen mit den Verwaltungen permanent und systematisch schlecht geredet werden. Es wird der Eindruck vermittelt, dass die Gemeinden kurz vor dem Kollaps stünden, der Kanton die Gemeinden demnächst unter Zwangsverwaltung stellen müsste und nur unqualifiziertes Personal in den Gemeinden arbeite. Dies ist definitiv nicht so und ich möchte an dieser Stelle eine Lanze brechen für das Personal auf den Verwaltungen. Sie sind es, die tagtäglich an der Front sind, und im direkten Kontakt stehen mit unseren Einwohnerinnen und Einwohnern. Ich kann ihnen versichern, dass es nicht immer freundliche Unterhaltungen sind, die da stattfinden. Ich bin überzeugt, dass das Verwaltungspersonal in den weitaus meisten Fällen Willens ist, den Job gut und korrekt zu machen. Es darf doch nicht sein, dass sich das Personal in der Öffentlichkeit rechtfertigen muss, weil sie auf einer Gemeindeverwaltung arbeiten. Weiter wird bemängelt, dass die Rekrutierung von Fachpersonal für die Gemeinden schwierig sei. Dem ist tatsächlich so! Der Fachkräftemangel ist aber ein Problem, das auch vor grossen Verwaltungen nicht Halt macht. Vor dieser Herausforderung steht fast unsere gesamte Wirtschaft und steht deshalb nicht in direktem Zusammenhang mit der Betriebsgrösse.
Von den Befürwortern des Gegenvorschlags wird uns suggeriert, dass mit grösseren Verwaltungseinheiten unsere Zukunft rosarot und himmelblau werde. Die Gleichung grössere Verwaltungen gleich bessere Verwaltungen scheint mir jedoch nicht so einfach zu sein. Wenn dem so wäre, stünde ja auf der Kantonalen Verwaltung alles zum Besten. Viele direkt Betroffene wissen, dass dem nicht überall so ist. Allein schon die Dauer der Bearbeitung eines nicht sehr komplexen Baugesuchs durch die Kantonalen Stellen strapaziert die Geduld von manchem Bauherren arg. Die Qualität einer Verwaltung steht und fällt, unabhängig von deren Grösse, mit dem Personal und es ist überhaupt nicht so, dass grössere Verwaltungen per se besser an gut qualifiziertes Personal kommen.
Weiter wird immer wieder proklamiert, dass die digitale Transformation vorangetrieben werden müsse. Diese Feststellung kann ich bejahen, sie gilt aber nicht nur für die Gemeinden, denn in vielen Bereichen wären in erster Linie Bund und die Kantone gefordert. In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, dass sowohl der Kanton als auch alle Gemeinden ihre EDV-Anwendungen von der AR-Informatik beziehen. Es ist nicht so, dass die Kantonale Verwaltung in viel höheren IT-Sphären schwebt und die Gemeinden sich hinter dem Mond aufhalten. Die digitale Transformation ist eine gemeinsame Aufgabe von Kanton und Gemeinden.
Ich unterstütze zum Wohl unseres Kantons, freiwillige Fusionen und stimme Ja zum Eventualantrag, welcher auch in der Stichfrage mein Kreuz erhält.